Am Anfang war das Problem. Die Geburtsstunde einer Fahrradidee.

Geburtsstunde einer Fahrradidee. Alles über die Entstehung von My Esel und der Wunsch, ein maßgefertigtes Fahrrad aus Holz zu bauen.

Große Menschen haben größere Probleme. Christoph Fraundorfer ist so ein großer Mensch. Und er hatte ein großes Problem. Wegen seiner Größe. Es war für ihn sehr schwer, ein passendes Fahrrad zu finden. Die meisten Rahmen waren ihm einfach zu klein. Weit weg von einem komfortablen Erlebnis auf zwei Rädern. Rückenschmerzen inklusive. Dem gelernten Architekten und leidenschaftlichem Tüftler ließ dieses Problem keine Ruhe. Seine Gedanken galten der Möglichkeit, einen Fahrradrahmen individuell zu fertigen. Zu halbwegs vernünftigen Preisen. Also leistbar und nicht als Sonderanfertigung, für die man einen Kredit aufnehmen muss. Doch diese Lösung gab es nicht. Nicht mit den bis dahin üblichen und zur Verfügung stehenden Materialien. Also Stahl, Aluminium oder Carbon. Am Anfang war eben ein Problem. Und dieses Problem war noch nicht behoben. Die Geburtsstunde einer Fahrradidee war gekommen.

Individuelle Fahrräder gesucht.

Christoph hat nach einem individuellen Fahrrad gesucht. Für sich und seine Größe. Dieses Fahrrad hat er aber leider nicht gefunden. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als einen Weg zu finden, es selbst zu bauen. Was nicht ist, muss erfunden werden. Ganz einfach. Die Prämissen standen also fest: Einfach, leistbar und individualisierbar sollte es ein. Christophs neues Fahrrad. Die Suche nach einem passenden Werkstoff hatte begonnen. Und sie fand beim Holz ihr Ende. Noch lange kein Happy End. Aber immerhin war der erste Schritt zu einem neuen Fahrrad getan. Das war die Geburtsstunde eines Ur-Plans. Jetzt nur noch anfangen und an die Idee glauben. Weil es auch andere Radfahren geben würde, die dasselbe Problem oder ähnliche Wunsche haben könnten. Ob da nicht gleich eine Geschäftsidee dahintersteckt? Die Sache bekam dann gleich eine etwas Tragweite. Lässt sich die Idee skalieren?

Fahrräder aus Holz

Grundmaterial von Lieferanten

Problem erkannt. Problem zur Hälfte gelöst.

Wer ein Problem erkennt, der hat es zur Hälfte bereits gelöst. Christoph war also über sein Problem zu einer neuen Idee gekommen, die jetzt umgesetzt werden musste. Aber wie baut man ein Fahrrad aus Holz? Die zweite Hälfte des Problems schien also gleich etwas komplexer zu sein. Doch Christophs Erfahrung als Architekt und sein Gespür, mit Materialien intelligent umzugehen, wog seine Unerfahrenheit im Rahmenbau auf. Holz ist ideal, weil es einfach zugeschnitten werden kann. So dünn, dick, groß, fein, lang, kurz wie man es braucht. Christophs Willen damit zu tüfteln endete mit seinem ersten Prototyp. Dieser war zwar noch weit weg von den Eseln, die wir heute sehen und kennen, er war aber eine individuelle Problemlösung. Ein Fahrrad nach Maß.

Geburtsstunde einer Fahrradidee

My Esel Mockup mit Christoph Fraundorfer

Von der Idee zur Realität.

Plötzlich war Christoph Rahmenbauer. Holzrahmenbauer. Nicht nur. Die Vision, seine Idee zu skalieren, ließ ihn gleich auch noch zum Softwareentwickler mutieren. Christoph war auf der Suche nach einer Möglichkeit, mittels Berechnung, die optimale Sitzposition bestimmen zu lassen. Softwaregesteuert. So ganz einfach mit Maße eingeben (Größe, Beinlänge …), und individuelle Rahmengröße und Winkel berechnen lassen. Über diese Software sollte es dann möglich sein, die Fertigung eines Rahmens aus Holz mit unterschiedlichen Rahmengeometrien zu steuern. Das Experiment gelang und die automatisierte Rahmenkonstruktion war entwickelt. Idee und Vision wurden verschmelzt, der erste „Ur-Esel“ als Basis aller Esel war geboren.

Am Anfang war das Problem. Heute gibt es maßgefertigte Fahrräder aus Holz für alle Anforderungen. Egal ob Stadtrad (Urban-Bike) Tour-Bike, Cross-Bike, Mountainbike, Rennrad oder Gravel. Mit oder ohne elektrischen Antrieb (E-Bike). Alle gewachsen in Österreich. Aber das Thema Holz wird in einem der nächsten Blogbeiträge näher behandelt.

#woodvibrations